Warum meine Hauptfiguren weibliche PoC sind

Wenn man sich meine Geschichten anschaut, fällt wahrscheinlich irgendwann eine Gemeinsamkeit auf: Meine Hauptfiguren sind auffallend oft Frauen of Color.

Das ist kein Zufall.

Ich möchte, dass diese Frauen in meinen Geschichten sichtbar sind. Nicht als Nebenfiguren, die irgendwo am Rand auftauchen, nicht als exotische Ergänzung und auch nicht ausschließlich als besonders starke oder moralisch vorbildliche Frauen.

Sondern als Menschen. Mit all ihren Facetten.

Sie dürfen liebenswert sein. Sie dürfen nerven. Sie dürfen eitel, chaotisch, stur oder völlig irrational sein. Sie dürfen Fehler machen. Sie dürfen Entscheidungen treffen, die ich als Autorin selbst nicht gutheiße.

Denn dies gilt für andere Romanfiguren seit jeher.

Das ist mir wichtig, weil Repräsentation für mich nicht bedeutet, Figuren möglichst makellos zu gestalten. Im Gegenteil. Wenn ich einer Figur keine Fehler und keinen Abgrund zugestehe, weil ich Angst habe, was jemand daraus über die dargestellte Gruppe ableiten könnte, mache ich sie letztlich wieder zu etwas anderem als einem vollständigen Menschen.

Natürlich ist das manchmal unbequem.

Auch für mich selbst.

Bei manchen Figuren musste ich erst lernen, ihnen wirklich zu folgen, statt sie in eine Richtung zu lenken, die mir angenehmer gewesen wäre. Eine Figur kann einen Charakter haben, eine Entscheidung treffen oder sich entwickeln, bei der ich beim Schreiben erst einmal denke: Oh nein. Wirklich?

Manchmal bereitete mir die Entwicklung der einen oder anderen Figur Bauchschmerzen. Aber teils führte das auch dazu, dass ich mit der Figur mitfieberte, mit ihr zusammen litt und sie für mich deshalb nahbarer wurde.

Denn Menschen sind nicht nur das Ergebnis ihrer besten Eigenschaften. Umgekehrt ist auch niemand von Anfang an verdorben.

Ein grundsätzlich guter oder zumindest anständiger Mensch kann durch Erfahrungen, Verletzungen, falsche Entscheidungen oder bestimmte Umstände auf eine ziemlich schiefe Bahn geraten.

Vielleicht ist das letztlich der wichtigste Grund, warum ich meine Figuren nicht davor schützen möchte, unsympathisch zu werden:

Ich möchte ihnen erlauben, Menschen zu sein.

Nicht perfekte Repräsentantinnen.

Nicht Heldinnen ohne Fehl und Tadel.

Nicht Schablonen.

Sondern Frauen, die lachen, lieben, scheitern, nerven, überraschen, sich irren und manchmal Dinge tun, die selbst ihre Autorin erst einmal schlucken lassen.

Denn wenn eine Figur irgendwann anfängt, mich selbst herauszufordern, weiß ich meistens, dass ich etwas richtig gemacht habe und denke, dass die Leser ebenso mit dieser Figur mitfiebern, wie ich auch.

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