Ich habe eine Angewohnheit, von der ich nie erwartet hätte, dass sie mir Ideen für einen Roman verschaffen würde: Sobald ein möglicher neuer Lebensort im Raum steht, schaue ich mir den Wohnungsmarkt dieses Ortes an, um ein Gefühl zu bekommen, wie es ist dort zu leben.
Ich habe nie im Sinn sofort die Umzugskartons zu packen, aber Häuser und Wohnungen vermitteln ein Flair für das Lebensgefühl eines Ortes. Wie ist der Baustil gehalten und wie würde ich mich in diesen Räumen fühlen? Welche Balkone und Aussicht gibt es? Wo würde ich morgens Kaffee trinken?
Eigentlich ist ein Haus wie ein Mensch eines Ortes, das einen eigenen Charakter hat, und einem die Geschichten eines Ortes mitteilen möchte.

Italien war plötzlich nicht mehr abstrakt
Als mir mitgeteilt wurde, dass mein Arbeitgeber mich höchstwahrscheinlich für eine Saison nach Italien schicken würde (genauer gesagt standen Sizilien und Sardinien im Raum), tat ich das Übliche und stöberte durch den lokalen Wohnungsmarkt.
Ich bekam ein Bild für das Setting und das Lebensgefühl. Mit jeder Wohnungsanzeige, wurde Italien in meinem Kopf immer konkreter. Natürlich hatte ich bereits einige Ecken Italiens im Urlaub kennenlernen dürfen. Es ist jedoch ein gewaltiger Unterschied in einem fremden Land Urlaub zu machen oder dort tatsächlich zu leben und zu arbeiten.
Mein Fund: 1€-Häuser und verlassene Orte
Wenn man online Spuren hinterlässt, ist man vor Werbung bekanntlich nie ganz sicher. Meistens ist das eher lästig. In diesem Fall passierte allerdings etwas Seltenes: Die Werbung war nicht nur erträglich, sondern plötzlich interessant.
Zwischen meinen Immobilien-Streifzügen bekam ich immer häufiger Artikel, Anzeigen und Webseiten zu Italiens 1€-Häusern ausgespielt, und zu Programmen, mit denen einzelne Gemeinden versuchen, verlassene Häuser, schrumpfende Dörfer und Orte mit Einwohnerschwund wieder attraktiver zu machen. Manche dieser Initiativen werben mit symbolischen Kaufpreisen, andere mit Zuschüssen, steuerlichen Erleichterungen oder Förderungen für Menschen, die bereit sind, sich dauerhaft in einem kleinen Ort niederzulassen.
Natürlich bekommt man für einen Euro keine bezugsfertige Traumvilla mit Zitronenbaum, Weinkeller und dramatisch flatternden Vorhängen. Eher bekommt man ein Haus, das einem sehr nachdrücklich zu verstehen gibt: Ich war sehr lange allein, jetzt investiere bitte sehr viel Geld, Zeit und Nerven in mich.
Und genau da wurde es für mich interessant.
Denn diese Programme funktionieren nicht nach dem Prinzip: „Hier, nimm ein Haus und sei glücklich.“ Meist hängen Bedingungen daran. Man muss renovieren, Fristen einhalten, oft Pläne vorlegen, Geld nachweisen, sich wirklich niederlassen oder zumindest glaubhaft zeigen, dass aus Leerstand wieder Leben werden soll. Das Haus ist also nicht nur ein Geschenk oder Schnäppchen. Es ist eine Aufgabe mit Dach.

Wochen vergingen, aber diese Infos blieben in meinem Kopf hängen. Als ich später an ein Buchprojekt dachte, kamen mir mehrere Fragen in den Sinn: Was, wenn ein Zuhause nicht einfach die Lösung ist, sondern eine Bedingung stellt? Was, wenn ein Ort nicht nur bewohnt, sondern wiederbelebt werden will? Und was, wenn man dafür innerhalb einer bestimmten Frist etwas vorweisen muss? Schöne Absichten reichen nicht, sondern echtes Leben im Haus?
Da war Caras Villa plötzlich nicht mehr nur Kulisse. Sie wurde zum Motor der Geschichte.
Und vielleicht auch zur Falle mit schöner Aussicht. Deshalb mein Tipp: wenn etwas zu schön klingt um wahr zu sein: immer das Kleingedruckte lesen! ;-)
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